Fashion Revolution Map
Digitale Infrastruktur für kreislauffähige Textilkonsum-Angebote (FRITA)
Das Projekt FRITA zielt darauf ab, eine digitale und skalierbare Infrastruktur zur Förderung der Nutzung zirkulärer Textilkonsum-Modelle in Deutschland umzusetzen. Im Fokus steht dabei die Konsumentenverhaltensforschung, sodass bestehende Hemmnisse in der derzeitigen Nutzung zirkulärer Textilkonsum-Angebote abgebaut werden. Somit unterstützt das Projekt FRITA die Nutzung von Bekleidung über mehrere Lebenszyklen und leistet einen Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Mode- und Bekleidungsbranche.
Ausgangssituation und Problemstellung
Die Textilindustrie steht vor einem eklatanten Ungleichgewicht: 2023 wurden weltweit rund 124 Millionen Tonnen Fasern produziert – ein Plus von 7 % gegenüber dem Vorjahr (vgl. Textile Exchange, 2024, S. 9). Gleichzeitig liegt der Anteil recycelter Alttextilien, die zu neuen Textilien verarbeitet werden, bei unter 1 % (vgl. Textile Exchange, 2024, S. 10). Dieses Missverhältnis verdeutlicht das Defizit der Kreislaufführung: Die Menge neuer Fasern wächst, während bestehende Textilien kaum im Kreislauf gehalten werden.
Weiterhin besteht ein Defizit in der Integration von Re-Use-Angeboten: Obwohl die EU-Textilstrategie Wiederverwendung (Re-Use) als wichtigen Aspekt zur Umsetzung einer kreislauffähigen Textil- und Bekleidungsindustrie definiert (vgl. European commission, 2025), bleiben Angebote wie Verleih, Upcycling, Reparatur oder Kleidertausch bislang fragmentiert, lokal begrenzt und strukturell unsichtbar. Eine systematische Vernetzung oder digitale Einbindung in Alltagsroutinen fehlt bisher.
Parallel besteht ein Forschungsdefizit im Konsumbereich und in der Übersetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in konkretes Verhalten: Eine repräsentative Umfrage von Fashion Revolution Germany e. V. (2025) zeigt, dass 25 % der deutschen Konsument:innen Re-Use-Angebote regelmäßig nutzen würden, wenn entsprechende Zugänge, Strukturen und Orientierung vorhanden wären. Die Bereitschaft zu nachhaltigem Handeln ist somit grundsätzlich vorhanden – sie scheitert jedoch an mangelndem Zugang, Informationen und Integration in den Alltag unter Berücksichtigung spezifischer Bedürfnisse der Konsument*innen.
Schließlich fehlt eine digitale Infrastruktur als systemische Lösung: In einem zunehmend app- und plattformbasierten Modekonsumumfeld existiert bislang keine zentrale Meta-Plattform, die Re-Use-Angebote sichtbar und zugänglich macht, Nutzer*innen bedarfsgerecht einbindet und Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft systematisch vernetzt.
Zielsetzung des Projektes
Um die bestehenden Defizite im textilen Kreislauf wirksam zu adressieren, verfolgt das Projekt einen integrierten Ansatz aus empirischer Forschung, digitaler Plattform und praxisnahen Pilotprojekten.
- Verständnis über Konsummuster: Motivatoren und Barrieren von Konsument*innen gegenüber zirkulärer Textilkonsum-Angeboten werden erforscht.
- Umsetzung einer verhaltensbasierte Plattformentwicklung: Mithilfe von partizipativen Methoden und Erkenntnissen aus der Verhaltensforschung wird eine digitale und skalierbare Infrastruktur geschaffen.
Verbindung von Forschung und Praxis: Pilotbetriebe der Plattform und dessen gezielte Evaluation ermöglichen den Rollout, sowie den Transfer für Veröffentlichungen und politischen Ableitungen.
Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Qualifizierung einer digitalen und skalierbaren Plattform („Fashion Revolution Map“) zur Förderung der Nutzung zirkulärer Textilkonsum-Angebote in Deutschland. Diese Infrastruktur soll Angebote wie Re-Use, Reparatur, Tausch, Verleih und Upcycling systematisch sichtbar machen, relevante Akteur*innen vernetzen und Nutzer:innen über bedürfnisorientierte Supporter Journeys niedrigschwellig und nachhaltig einbinden.
Die Plattform zielt darauf ab, strukturelle, psychologische und infrastrukturelle Motivatoren und Hemmnisse zu erkennen und somit die Nutzung zirkulärer Textilkonsum-Angebote attraktiver zu gestalten. Das Projekt nutzt somit die empirische Forschung und praxisnahe Erprobung, um eine wissenschaftlich fundierte Plattform zu entwickeln. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Reduktion des Neukaufs von Textilien, zur Umsetzung der EU-Textil Strategie sowie zur Vorbereitung einer späteren Skalierung und Verstetigung der entwickelten Lösung in der Entwicklung der der politischen Instrumente (EPR).
Kooperationspartner
Zur Umsetzung des Projektes FRITA kooperieren der Verein Fashion Revolution Germany und die Deutsche Umwelthilfe als Praxispartner und die HTW Berlin als Wissenschaftspartner.
Fashion Revolution Germany ist Deutschlands größtes NGO-Netzwerk für nachhaltige Mode und hat jahrlange Erfahrung in Awareness-Kampagnen, sowie zirkulären Textil-Projekten. Der Verein, ebenso wie die Deutsche Umwelthilfe, sind eng verbunden mit internationalen Netzwerken und politischen Gremien. Durch die praxisnahe Ausrichtung beider Organisationen wird die praktische Umsetzbarkeit des Projektes FRITA sichergestellt und die Sichtbarkeit des Projekts aufgrund der gesellschaftlichen und medialen Reichweite in der Zivilgesellschaft ermöglicht. Weiterhin können Fashion Revolution Germany und die Deutsche Umwelthilfe für die Bereitstellung realer Testumgebungen sorgen und somit die reale Anwendbarkeit der zu entwickelnden Plattform im Rahmen des Projektes fördern.
Die HTW Berlin übernimmt die wissenschaftliche Fundierung innerhalb des Projektes FRITA und ist somit für die Forschung von nachhaltigem Konsum und Verhaltensmustern von Konsument*innen, sowie zirkulären Geschäftsmodellen und Tranformationsforschung zuständig. Durch die Expertise der Projektleitung Prof. Dr. Andrea Bookhagen im Bereich qualitative Marktforschung und Konsumenverhaltensforschung wird der Projekterfolg und die wissenschaftliche Fundierung sichergestellt. Ein besonderer Fokus innerhalb des Projektes liegt in der Nutzung partizipativer Methoden, sodass die Bedürfnisse zukünftiger Nutzer*innen der Plattform, sowie Wissen von Expert*innen in das Projekt und die zu entwickelnde digitale Lösung integriert werden.
Wichtige Bestandteile sind weiterhin kommunale Partner, die als Testregionen dienen und es ermöglichen die Erfahrung lokaler Netzwerke und Bürger*innen aktiv einzubeziehen. Diese realen Testumgebungen sorgen für die bedürfnisorientierte Entwicklung der digitalen Infrastruktur und sie schaffen gleichzeitig eine Transfermöglichkeit in bereits bestehende öffentliche Infrastrukturen zur Verbreitung der Plattform-Lösung. Assoziierte Partner und NGO-Netzwerke werden weiterhin für die Verbreitung der Ergebnisse des Projekts sorgen.
Erwartete Ergebnisse
Mit der Fashion Revolution Map wird eine digitale Infrastruktur geschaffen, die zirkuläre Textilkonsum-Angebote sichtbar macht, Menschen vernetzt und nachhaltige Alternativen zum Neukauf alltagstauglich gestaltet.
- Fashion Revolution Map: Eine digitale, öffentlich zugängliche Plattform bündelt regionale Angebote wie Second Hand, Reparatur, Kleidertausch, Verleih und Upcycling. Nutzer*innen finden niedrigschwelligen Zugang zu zirkulären Textilkonsum-Angeboten und werden über individuelle Nutzer*innen-Journeys bei nachhaltigen Konsumentscheidungen begleitet.
- Vernetzung zirkulärer Akteur*innen: Die Plattform verbindet Initiativen, Reparaturbetriebe, Bibliotheken, NGOs, Kommunen, Bildungsakteure und bestehende Re-Use-Angebote miteinander. Dadurch entsteht ein gemeinsames Netzwerk für Sichtbarkeit, Austausch und Zusammenarbeit im Bereich zirkulärer Textilwirtschaft.
- Forschungsbasierte Erkenntnisse zu Konsumverhalten: Das Projekt untersucht, welche psychologischen, sozialen und infrastrukturellen Faktoren die Nutzung von Re-Use-Angeboten fördern oder behindern. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für wirksame digitale Angebote und neue Ansätze zur Förderung nachhaltigen Konsums.
- Nutzer*innenzentrierte Design- und Motivationsansätze: Auf Basis wissenschaftlicher Forschung werden konkrete Gestaltungsprinzipien für digitale Anwendungen entwickelt — etwa zu Motivation, Community-Building, Gamification und niedrigschwelliger Aktivierung von Nutzer*innen.
- Praxisnahe Pilotprojekte: Kleidertausch-Events, Workshops und lokale Pilotprojekte erproben die Plattform im realen Alltag. Das Feedback aus diesen Pilotprojekten fließt kontinuierlich in die Weiterentwicklung der Fashion Revolution Map ein.
- Politische Handlungsempfehlungen für die Textilwende: Aus den Projektergebnissen werden evidenzbasierte Empfehlungen für Politik, Kommunen und Verbände abgeleitet — insbesondere im Hinblick auf die EU-Textilstrategie und die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien.
- Open-Access-Wissen und Transferformate: Forschungsergebnisse, Methoden und Best Practices werden öffentlich zugänglich aufbereitet – beispielsweise in Form von Leitfäden, Fachformaten, Workshops und wissenschaftlichen Veröffentlichungen. So können auch weitere Akteur*innen von den Erkenntnissen profitieren und eigene Re-Use-Strukturen stärken.
- Skalierbare Infrastruktur für zirkulären Konsum: Die Fashion Revolution Map wird so entwickelt, dass sie langfristig erweitert, auf andere Regionen übertragen und perspektivisch auch international genutzt werden kann. Damit entsteht eine zukunftsfähige Grundlage für eine ressourcenschonende und gemeinwohlorientierte Textilwirtschaft.